Rückengerechte Bürostühle: Mit orthopädischem Bürostuhl den Rücken schonen
Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit der westlichen Gesellschaft und geschätzt wird, dass die Ursache von etwa 80 Prozent aller Rückenschmerzen ein zu langes Sitzen in den falschen Sitzpositionen und auf minderwertigen Stühlen ist. Das ist kein Wunder angesichts der unzähligen Berufe, die heute überwiegend im Sitzen ausgeübt werden. Nicht nur gibt es vom Grafikdesigner über den Programmierer bis hin zum Redakteur unzählige Computertätigkeiten, auch Beamte, Sekretäre und Empfangsdamen arbeiten, ebenso wie Ärzte, Verkäufer, Steuerberater und viele andere Erwerbstätige, im Sitzen. Die Regel sind dabei Vollzeitstellen, und nicht selten kommen auch noch Überstunden dazu – Ergebnis ist, dass die Menschen zehn Stunden oder mehr sitzen, und das alleine in der Arbeit. Nur die wenigsten werden nach einem anstrengenden Arbeitstag noch Sport machen oder spazieren gehen. Die traurige Realität ist: Meist geht es vom Bürostuhl direkt an den Esstisch und von dort aus auf die Couch.
Zur Vorbeugung von Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfällen gibt es vier goldene Regeln:
- Einen ergonomischen Schreibtischstuhl verwenden
- Den Bürostuhl richtig einstellen
- Richtig sitzen
- Regelmäßig aufstehen und bewegen
Wer jedoch schon Rückenschmerzen hat und nach einer Lösung, seinen Beruf dennoch ohne Schmerzen weiter ausüben zu können, sucht, hat sicherlich von seinem Arzt den Rat bekommen, sich einen orthopädischen Bürostuhl anzuschaffen und ist auf der Suche nach einem solchen schon einmal auf den sogenannten „Bandscheibenstuhl“ gestoßen – was verbirgt sich hinter diesem Begriff?
Der Bandscheibenstuhl: Ein rückenfreundlicher Bürostuhl
Viele Hersteller verwenden diesen Begriff neben Ausdrücken wie „orthopädischer Bürostuhl“ gerne, um für teure und hochwertige Bürostühle zu werben, welche die Bandscheiben entlasten und dadurch auch Menschen mit Rückenproblemen ein beschwerdefreies Sitzen ermöglichen.

Ein hochwertiger, verstellbarer Bürostuhl mit Armlehnen und atmungsaktiver Rückenlehne ist bei Rückenproblemen sehr gut geeignet.
Doch letztendlich verbergen sich hinter den meisten als „Bandscheibenstuhl“ verkauften Bürostühlen auch „nur“ Schreibtischstühle, die die ergonomischen Anforderungen an einen Bürostuhl erfüllen und manchmal einige Extras aufweisen, zum Beispiel speziell geformte Sitzflächen oder atmungsaktive Sitzpolster.
Einige dieser als besonders rückenschonend beworbenen Bürostühle sind auch mit einem vertikalen Schwingeffekt sowie einem integrierten Luftkissen für die horizontalen Schwingungen ausgestattet. Beide Effekte zusammen sorgen dafür, dass die gesamte Rückenmuskulatur, auch die tiefliegenden Muskeln, die oft beim Bewegen zu kurz kommen, stimuliert wird.
In der Regel sind also Drehstühle, welche als Bandscheibenstühle verkauft werden, tatsächlich ergonomisch hochwertige und rückenschonende Bürostühle, mit denen Bandscheibenpatienten sicherlich nichts falsch machen können. Wenn jedoch der Preis lediglich aufgrund der Bezeichnung „Bandscheibenstuhl“ oder „orthopädischer Stuhl“ spürbar höher ist, lohnt sich ein genauer Blick auf ähnlichere, günstigere Modelle: Haben diese weitgehend dieselben Eigenschaften und Möglichkeiten, so werden sie sich höchstwahrscheinlich genauso gut als gesundheitsfördernde Bürostühle eignen.
Anstelle einer speziell geformten Sitzfläche oder einem integrierten Luftkissen tut es auch ein ergonomisches Sitzkissen, zum Beispiel ein Ballkissen, welches nicht nur dynamisches Sitzen ermöglicht, sondern auch für verschiedene Gymnastikübungen geeignet ist.
Die Behandlung von Rückenschmerzen
Wer Rückenschmerzen hat, sollte natürlich nicht nur seinen Bürostuhl wechseln beziehungsweise besonders sorgfältig auf richtige Sitzpositionen achten, sondern sich auch von einem Arzt untersuchen lassen. Eine professionelle Physiotherapie, bei welcher ein bewusstes Training der Tiefenmuskeln geübt wird, sorgt in den meisten Fällen für eine Linderung der Schmerzen, besonders bei Kreuz- und Nackenschmerzen.
Auch eine Veränderung der gewohnt sitzenden Arbeitsposition sollten sich Rückenschmerz- und Bandscheibenpatienten auf jeden Fall überlegen, und wer die Gestaltung seines Arbeitsplatzes nicht selbst in der Hand hat, sollte mal mit seinem Vorgesetzten über einen höhenverstellbaren Schreibtisch sprechen, der auch ein teilweises Arbeiten im Stehen ermöglicht.

Spazierengehen tut nicht nur dem Rücken gut, sondern auch der Seele und dem zwischenmenschlichen Miteinander.
Ein Wechsel in ein Teilzeitarbeitsverhältnis oder zumindest die Reduktion von Überstunden, stattdessen mehr Spaziergänge und ähnliche entspannte Tätigkeiten in Bewegung werden bei Rückenschmerzen sicherlich auch Wunder bewirken.
Gibt es Zuschüsse für rückengerechte Bürostühle?
Die deutsche Rentenversicherung übernimmt in vielen Fällen die Kosten für einen rückenfreundlichen Bürostuhl oder auch für einen Sitz-Steh-Arbeitsplatz, wenn ein „Antrag auf Sachleistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ gestellt wird.
Voraussetzung ist, dass der Versicherte aufgrund seiner Rückenbeschwerden wiederholt arbeitsunfähig ist, sich bereits einer Reha-Maßnahme oder einer Bandscheibenoperation unterzogen hat oder den Stuhl braucht, um eine Einschränkung oder Behinderung auszugleichen. Wer ein fachärztliches Attest mit dem Hinweis darauf, dass ein orthopädischer Bürostuhl vonnöten ist, um den Beruf weiter ausüben zu können, vorweisen kann, sollte deshalb auf jeden Fall versuchen, die Kosten bei der Rentenversicherung geltend zu machen. Zwar braucht die Versicherung das Angebot eines Fachhändlers, der Antrag muss aber unbedingt gestellt werden, bevor der rückenfreundliche Bürostuhl gekauft wird, ansonsten erlischt der Anspruch auf Kostenübernahme.
